Unterwegs in Bangladesch

Johannes von Fürstenberg berichtet

Besuch einer Vorschule in Birganj.

 

Mit dem Motorrad fahren wir etwa 20 Minuten in das kleine Dorf Bhogdoma in der Nähe von Birganj im Nordwesten von Bangladesch. Das Abenteuer beginnt schon bei den einfachen ungeteerten „Straßen“. Mittlerweile habe ich mich an das gut funktionierende Verkehrschaos gewöhnt. Es ist immer wieder aufregend sich hupend durch Händler, Kühe, Kinder, Hühner und Rikschas zu schlängeln. Auf der Straße ist es sehr laut! Überall hängen wild verzweigte Stromkabel von ihren Masten herum. In so mancher Ecke sieht man Männer zusammensitzen bei einer gemütlichen Tasse Tee.

 

Kleinkredite ermöglichen Arbeit und Einkommen
Im Dorf angekommen, treffen wir eine Gruppe Frauen, die es sich im Schatten eines großen Jackfruchtbaums gemütlich gemacht haben. Die Kreditgruppe besteht seit 2008. Wöchentlich kommen die 38 aktiven Kreditnehmerinnen zu einem Treffen, um ihre Raten zurückzuzahlen und Probleme zu besprechen. Stolz erzählt der Leiter der Kreditgruppe, dass seit Beginn des Projekts alle Raten zu 100 % zurückgezahlt werden konnten. Einige Frauen waren so erfolgreich, dass sie bereits zum zehnten Mal einen Kleinkredit erhalten haben. Oft geben sie das Geld für das Geschäft ihrer Männer aus. Zum Kauf einer motorisierten Rikscha, eines kleinen Geschäfts oder für Kühe und Ochsen, die sie großziehen und dann für ein vielfaches des Einkaufpreises auf dem lokalen Markt verkaufen.

In der Kreditgruppe werden die Raten zurückbezahlt und die Frauen sprechen mit der Sozialarbeiterin über familiäre und gesellschaftliche Probleme.

 

Heute ist Subeda eine erfolgreiche Geschäftsfrau
In der Nähe vom Treffpunkt der Kreditgruppe am Jackfruchtbaum lebt Subeda. Sie ist 49 Jahre alt und hat zum sechsten Mal einen Kleinkredit von BACE erhalten. Heute ist sie stolze Besitzerin von vier Kühen und 150 Enten. Sie kauft die Jungenten für 30 Taka ein und kann sie nach sechs Monaten für 400 bis 500 Taka wieder auf dem Markt verkaufen. Sie besitzt zudem ein kleines Stück Land, das sie gemeinsam mit ihrem Ehemann bewirtschaftet. Stolz zeigt Subeda uns ihre Kühe, Enten und die letzte Maisernte. Besonders glücklich ist Subeda darüber, dass sie ihre drei Söhne zur Schule schicken konnte. Der Älteste arbeitet heute in einer Behörde. Ein Teil seines Gehalts gibt er, um seine Eltern zu unterstützen. Subeda ist glücklich und mittlerweile eine tüchtige Geschäftsfrau! Für die Zukunft plant sie, mehr Land zu kaufen und von ihrer Entenzucht zu einer Hühnerzucht zu wechseln. Diese sei profitabler, da ein Huhn schon nach drei Monaten für 280 Taka verkauft werden kann.

Subeda konnte sich mit Hilfe der Kleinkredite ein besseres Leben aufbauen.

 

Glückliche Kinder in den Vorschulen
Nach den Gesprächen mit den lächelnden Müttern besuchen wir die Vorschule. Wir werden von 20 Kindern, die uns lautstark begrüßen, empfangen: „Asalam Alaikum Sir“. Spielerisch lernen die kleinen Knöpfe ihre eigene Sprache aber auch das englische Alphabet und erste Sätze in der fremden Sprache. Anfangs etwas verschüchtert, später aber doch mit vollem Elan zeigen die Kinder, was sie gelernt haben. Tänze, Gedichte und Lieder werden aufgeführt. Das wichtigste was mir auffällt, sind die glücklichen Kinderaugen! Die Kleinen sind wirklich stolz auf das, was sie schon alles hier in der Vorschule gelernt haben. Für uns in Deutschland ist es normal, dass es Kindergärten, Vorschulen und weiterführende Schulen gibt. Hier in Bangladesch verstehen die Menschen Bildung als ein sehr hohes Gut. Dies vor allem, weil Bildung für sie nicht selbstverständlich ist.

Berufsausbildung – Herausforderungen und Erfolge
Zurück auf dem BACE-Campus besuchen wir das Berufsausbildungszentrum. Im dazugehörenden Wohnheim leben 20 Auszubildende zusammen auf engstem Raum. Sie alle kommen aus ärmsten Familien, die in großer Entfernung leben. Nach einer intensiven Bewerbungsphase, dürfen die Auszubildenden hier für sechs Monate leben. Das kostet BACE in etwa 50.000 Taka (ca. 588 Euro) pro Auszubildenden. Um mit einem solch kleinen Budget auszukommen, müssen Kompromisse eingegangen werden und ein gutes Kostenmanagement vorhanden sein. Alleine die Tagesmahlzeit für eine Person kostet 15 Taka (ca. 0,18 Cent). Man mag meinen, das wäre nicht genug! Aber eine große Portion Reis mit gemischtem Gemüse und einmal die Woche Fisch macht dann doch alle satt und zufrieden.

Das Essen für die Auszubildenden ist einfach, macht aber alle satt und zufrieden.

Jeden Tag aufs Neue erlebe ich den Wissensdurst und den Arbeitsgeist der Auszubildenden, das ständige Bemühen sich verbessern zu wollen und den eigenen Zielen näher zu kommen. Diese jungen Menschen haben fast nichts und nehmen die Chance mit Begeisterung wahr, eine Ausbildung zu bekommen. Voll Freude und mit viel Spaß sehe ich sie zusammen leben, lernen und arbeiten.

Erfolgreich durch Berufsausbildung - Ukil hat es geschafft!
Wie erfolgreich die Berufsausbildung ist, sehe ich auf dem Markt in Birganj. Wir besuchen ehemalige Auszubildende und sehen, was aus ihnen geworden ist. Da ist zum Beispiel Ukil Roy, 28 Jahre alt. In Birganj genießt er heute einen sehr guten Ruf. Stolz zeigt er uns seine eigene kleine Werkstatt. „GiTa-Shop-Motorcycle“ heißt sein Geschäft, welches er vor zwei Jahren eröffnet hat. Im Jahr 2013 beendete Ukil seine Mechaniker-Ausbildung bei BACE und konnte seitdem drei Angestellte einstellen. Je nachdem, wie viel sie arbeiten, erhalten die Angestellten täglich zwischen 100 und 200 Taka. Ukil selbst verdient mittlerweile beachtliche 15.000 Taka Netto im Monat. Bevor er seinen eigenen Laden eröffnen konnte, arbeitete er selbst zwei Jahre als Angestellter bis er genug Geld zusammengespart hatte, um seine eigene Werkstatt zu mieten. Anfangs unterstützen ihn seine Eltern, heute ist er derjenige, der seine ganze Familie unterstützt. Obwohl Ukil die Schule in der achten Klasse abbrach und chancenlos erschien, ist er heute durch die berufliche Ausbildung sehr erfolgreich und konnte sich ein besseres Leben aufbauen. Stolz präsentierte er uns sein eigenes neues Motorrad.

Heute repariert Ukil Motoräder in seiner eigenen Werkstatt.

„Abar dekha hobe! “- „Auf Wiedersehen!“
Meine Zeit hier in Bangladesch war unglaublich interessant und toll, aber nach und nach fängt man doch an gute Straßen, weniger scharfes Essen, Nudeln und ein ordentliches deutsches Bier zu vermissen. Um am Ende meiner Reise die vielen Erlebnisse niederzuschreiben, würde es vermutlich noch viele Seiten mehr benötigen. Diese Zusammenfassung mit Beispielen gibt, wie ich denke, einen kleinen Überblick. Ich habe gesehen, wie unterschiedlich Menschen auf diesem Planeten aufwachsen und wie viele Gemeinsamkeiten wir trotzdem haben. Ich habe Bangladesch in Birganj lieben gelernt, die netten Menschen und deren farbenfrohe Kultur. Andererseits habe ich auch die große Armut hautnah mitbekommen und gesehen wie wichtig unsere Hilfe ist!

Johannes von Fürstenberg
 

Bitte helfen Sie mit einer Spende, damit erfolgreiche Projekte wie in Birganj weitergeführt werden können. Auch mit kleinen Beträgen können wir viel erreichen!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Weitere Bilder von meiner Reise

{$caption}

{$text}

Ihre Spende hilft gezielt!
Jetzt spenden und helfen: