Bangladesch nach den Wahlen

Prof. Dr. Abul Barkat weiterhin in Haft

 

Die Parlamentswahlen in Bangladesch im Februar 2026 wurden von vielen Beobachter*innen als wichtiger Schritt in Richtung politischer Stabilisierung gewertet. Nach dem Sturz der langjährigen Premierministerin Sheikh Hasina im August 2024 und der Übergangsregierung unter Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus konnte seit den politischen Unruhen wieder ein landesweiter Wahlprozess stattfinden. Gleichzeitig blieb dieser nicht frei von Kontroversen, wie etwa dem Ausschluss der Awami-Liga und anhaltenden Korruptionsvorwürfen. Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel: „Bangladesch vor den Wahlen 2026 – Hintergrund und Ausblick“.

 

Bangladesch vor den Wahlen 2026

Hintergrund und Ausblick

Am 12. Februar 2026 wählt Bangladesch ein neues Parlament. Die Wahlen finden in einer politisch angespannten Atmosphäre statt. Lesen Sie mehr...

 

Die Wahlbeteiligung lag dieses Jahr bei knapp 60 Prozent und gilt damit als vergleichsweise niedrig. Dies deutet darauf hin, dass zahlreiche Unterstützer*innen der ausgeschlossenen Awami-Liga den Urnengang boykottierten. Positiv hervorzuheben ist, dass es am Wahltag anders als bei früheren Wahlen weitestgehend ruhig blieb und keine größeren Gewaltausbrüche gemeldet wurden, obwohl die Stimmung im Vorfeld durchaus angespannt war.

Die „Bangladesh Nationalist Party“ (BNP) ging mit deutlicher Mehrheit aus den Wahlen hervor. Die neue Regierung von Premierminister Tarique Rahman wurde am 17. Februar vereidigt. Die Regierung hat angekündigt, Reformen umzusetzen und unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen einzubeziehen. Gleichzeitig bleibt die Beteiligung von Frauen sehr gering. Unter den 25 Ministern befindet sich nur eine Frau. Auffällig ist zudem eine Verschiebung im politischen Kräfteverhältnis. Parteien aus dem islamistischen Spektrum stellen erstmals die stärkste Oppositionskraft im bengalischen Parlament. Auch innerhalb der Studierendenbewegung gewinnen religiös geprägte Positionen an Einfluss. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass religiös ausgerichtete Politik in Bangladesch an Bedeutung gewinnt. Viele Menschen sehen darin eine Herausforderung für gesellschaftliche Vielfalt und Minderheitenrechte. Auch die Aufarbeitung von Korruption, Gewalt und Machtmissbrauch bleibt eine zentrale Aufgabe für die neue Regierung.

Gerade in dieser Phase des politischen Umbruchs wird sich zeigen müssen, ob Rechtsstaatlichkeit und demokratische Werte durch die neue Regierung tatsächlich geschützt und gestärkt werden. Ein Fall, der diese Fragen verdeutlicht, ist die weiterhin andauernde Inhaftierung von Prof. Dr. Abul Barkat.

 
 

Als Lichtbrücke e.V. sind wir seit 1983 in Bangladesch tätig. Von Beginn an stand Prof. Dr. Abul Barkat uns beratend zur Seite und wurde zu unserem „Honorary Trustee“ in Bangladesch. Wir schätzen ihn als engagierten Wissenschaftler und überzeugten Verfechter sozialer Gerechtigkeit. Sein Einsatz galt stets den Ärmsten und Schwächsten der Gesellschaft sowie den Rechten von Minderheiten. Sein Leitgedanke prägt bis heute unsere Arbeit: „to turn human deprivation into human development“.

Im Juli 2025 wurde Prof. Dr. Abul Barkat festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, während seiner Zeit als Vorsitzender der staatlichen Janata Bank Ltd. (2009–2014) in einen Korruptionsfall verwickelt gewesen zu sein. Diese Vorwürfe sind nicht neu. In einer früheren Untersuchung konnte keine Verwicklung von Prof. Dr. Abul Barkat festgestellt werden. Dennoch befindet er sich seit seiner Festnahme weiterhin in Haft. Ein Termin für eine Gerichtsverhandlung ist bis heute nicht bekannt. Besonders besorgniserregend ist sein Gesundheitszustand. Prof. Dr. Abul Barkat ist über 70 Jahre alt und war bereits vor seiner Inhaftierung gesundheitlich angeschlagen. Nach unserer Kenntnis hat sich sein Zustand in der Haft deutlich verschlechtert. Eine angemessene medizinische Versorgung ist dringend erforderlich. Auch zahlreiche Menschenrechtsverteidiger*innen in Bangladesch haben die Vorwürfe gegen ihn als unbegründet kritisiert und seine sofortige Freilassung gefordert. Insgesamt 122 angesehene Persönlichkeiten weisen darauf hin, dass die Anklage keine ausreichende rechtliche Grundlage habe und der Gesundheitszustand Barkats eine schnelle Entscheidung notwendig mache.

 

Prof. Dr. Abul Barkat mit Holger Trechow (Geschäftsführer) und Andreas Unbehauen (Leiter der Projektarbeit) sowie weiteren HDRC-Mitarbeiter*innen in Dhaka, 2023.

 

Die Lichtbrücke e.V. hat sich in dieser Angelegenheit bereits an mehrere politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger gewandt. Entsprechende Schreiben wurden an den deutschen Botschafter in Bangladesch, Dr. Rüdiger Lotz, an den Bundesminister des Auswärtigen Amts, Johann Wadephul, sowie an die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Reem Alabali -Radovan, gerichtet. Darüber hinaus wurde auch Amnesty International über die Situation informiert. Ziel dieser Schreiben ist es, politische Unterstützung zu mobilisieren und auf diesem Weg die Freilassung von Prof. Dr. Abul Barkat zu bewirken.

Wir sind zutiefst besorgt über die Inhaftierung unseres langjährigen Partners. Während andere in vergleichbaren Situationen zumindest gegen Kaution freigelassen wurden, bleibt Prof. Dr. Abul Barkat weiterhin ohne Perspektive auf ein faires und transparentes Verfahren in Haft. Als Lichtbrücke e.V. stehen wir an der Seite von Prof. Dr. Abul Barkat und seiner Familie. Wir fordern seine sofortige Freilassung, die Achtung seiner Rechte und, sofern die Anklage gegen ihn nicht komplett fallengelassen wird, ein transparentes und faires Gerichtsverfahren sowie den uneingeschränkten Zugang zu medizinischer Versorgung.

Alexandra Grüßmann