Am 12. Februar 2026 wählt Bangladesch ein neues Parlament. Die Wahlen finden in einer politisch angespannten Atmosphäre statt. Zugleich werden sie von vielen Beobachter*innen als Schlüsselmoment für die weitere Entwicklung des Landes gesehen.
Derzeit wird Bangladesch von einer Übergangsregierung unter der Leitung des Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus geführt.
Sie wurde bereits wenige Tage nach dem Sturz der Regierung von Sheik Hasina von Staatspräsident Mohammed Shahabuddin eingesetzt.
Hasina hatte zuvor 15 Jahre lang das Land regiert.
Nach landesweiten Demonstrationen vor allem von Studenten, die im Sommer 2024 gegen Quoten bei der Vergabe von Stellen in der öffentlichen Verwaltung protestierten, und massivem Gewalteinsatz der Sicherheitskräfte eskalierte die Situation. Bis zu 1.400 Demonstranten verloren ihr Leben, doch die massiven Proteste setzten sich fort und richteten sich nun immer stärker direkt gegen die Regierung, die für den Einsatz brutaler Gewalt gegen die Demonstrierenden verantwortlich gemacht wurde. Schließlich zwang der gewaltsame Sturm auf das Regierungsgebäude Sheik Hasina zur Flucht nach Indien.
Die Stimmung im Land ist weiterhin von Unsicherheit geprägt. Wirtschaftliche Probleme, politische Spannungen und geringes Vertrauen in die Staatsführung bestimmen den Alltag. Dabei war die Übergangsregierung mit einem großen Vertrauensvorschuss gestartet. Sie hat aber die Erwartungen und Hoffnungen vieler junger Menschen nicht erfüllt und keine Stabilität schaffen können. Zudem sind unter ihr die islamisch orientierten politischen Kräfte deutlich erstarkt.
Die Ereignisse, die zum Sturz der Regierung von Sheik Hasina führten, werden seitdem politisch und juristisch aufgearbeitet. Im November 2025 verurteilte das 2009 gegründete „Internationale Strafgericht“ Bangladeschs Sheikh Hasina in Dhaka wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen und Anstiftung zum Mord zum Tode. Während die Vereinten Nationen die Feststellung ihrer Verantwortung gutheißen, kritisieren sie die Verhängung der Todesstrafe, die in ihrer Abwesenheit erfolgte. Hasina selbst weist die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurück. Die Awami-Liga wurde vor allem wegen der Menschenrechtsverletzungen durch Hasina und andere Vertreter*innen der Regierungspartei von der Wahl des neuen Parlaments ausgeschlossen. Viele Parteivertreter*innen und Anhänger*innen rufen deshalb zum Wahlboykott auf.
Laut Umfragen gilt die Bangladesh Nationalist Party (BNP) als derzeit stärkste politische Kraft. Ihr prominenter Vertreter Tarique Rahman ist nach vielen Jahren im Exil zurückgekehrt. Er ist der Sohn der ehemaligen Ministerpräsidentin Khaleda Zia, die im Dezember 2025 verstarb. Die Rivalität zwischen ihr und Hasina prägte die Politik Bangladeschs über Jahrzehnte.
Die Neuwahlen im Februar 2026 werden vor diesem Hintergrund von vielen aufmerksam, aber auch mit Sorge verfolgt. Zweifel bestehen, ob es sich tatsächlich um eine demokratische Wahl handelt und mit Spannung wird beobachtet, ob das offizielle Wahlergebnis von allen Parteien anerkannt wird. Nach dem Sturz der Regierung von Sheik Hasina geht es für Bangladesch nicht nur um politische Mehrheiten, sondern auch um die Frage, wie mit den Erfahrungen der vergangenen Jahre und dem Erstarken islamischer Parteien umgegangen wird. Die jetzige Wahl ist mehr denn je eine Richtungswahl und stellt wichtige Weichen für die zukünftige Entwicklung des Landes.