Klimawandel! Erderwärmung! Erst kürzlich konnte ich zu den Auswirkungen auf Bangladesch auf der Homepage des Internationalen Währungsfonds lesen: die Experten des Weltklimarats prognostizieren, dass Bangladesch durch den Anstieg des Meeresspiegels und durch Küstenerosion bis zum Jahr 2050 über 17 Prozent seiner Landfläche und 30 Prozent der Nahrungsmittelproduktion verlieren könnte. Wenn es um die Klimakrise geht, beschäftigen wir uns hier in Deutschland vor allem mit Statistiken. Doch was bedeutet das für die Menschen, die direkt betroffen sind? Bei unserer letzten Projektreise wurde deutlich, welche Einzelschicksale hinter diesen Zahlen stecken.
In Shandapad im Südwesten von Bangladesch zeigte mir unsere Partnerorganisation ADAMS ein altes Starthilfeprojekt von 1998, das nun schon seit fast 25 Jahren selbständig weiterläuft. Jede Familie hatte mittlerweile fünf bis sechs Einkommensquellen. Alles schien super zu laufen. Das Projekt ist offensichtlich nachhaltig. Eine echte Erfolgsgeschichte! Doch trotzdem war die Stimmung bedrückt. Hier und da kam den Frauen der Selbsthilfegruppe nur ein gequältes Lächeln über die Lippen. Irgendwann fragte ich, was los sei. Die Antwort: „Letztes Jahr waren wir dreimal hintereinander von Flutkatastrophen betroffen.“
Bei unserem Rundgang durchs Dorf berichteten mir die Familien dann, was sie erleben mussten. Da war zum Beispiel Golapi Akter. Neben der Kleiderherstellung mit einer Nähmaschine verdient sie Geld mit einer kleinen Vieh- und Ziegenzucht, mit Tomaten- und Blumenkohlanpflanzungen auf gepachteten Feldern und mit Fisch- und Garnelenteichen.
Stolz ist Golapi Akter vor allem auf ihr neues kleines Ziegelsteinhaus. Für ländliche Verhältnisse in Bangladesch ein sehr gutes Haus. „Es gab eine Warnung der lokalen Behörden, dass eine Flut bevorstand“, erzählte sie mir. „Es ging dann aber alles so schnell. Wir konnten gerade einmal die Kühe und Ziegen in unser Haus in Sicherheit bringen. Das Wasser stieg und stieg und du kannst nichts dagegen tun! Wir konnten nur noch die Türschwelle schnell mit Holzbrettern sichern, damit das Wasser nicht reinlief. Im Vergleich zu anderen Familien hatten wir aber Glück! Von unserer Selbsthilfegruppe stehen alle Häuser auf einem Damm und unseres sogar noch auf einem Betonsockel. Allerdings war alles auf unseren Feldern und unsere Fische und Garnelen sofort weg.