Wir freuen uns jedes Jahr wieder, dass wir vielen Menschen mit dem Kalender der Lichtbrücke eine Freude machen können. Über vier Jahrzehnte gibt es unseren Kalender bereits. Mit Informationen zu unseren Projekten und schönen Bildern von Bangladesch, aber auch mit Berichten über die Lebenssituation ärmster Familien und über unsere Erlebnisse vor Ort.
Wenn ich über die große Armut in Bangladesch nachdenke, fällt mir die Begegnung mit Umme Begum bei unserer letzten Projektreise ein. Wir waren in Khulna, im Slumgebiet von Kolaghat, unterwegs. Umme Begum ist schätzungsweise 45 Jahre alt und Mutter zweier Kinder. Wir gingen auf einem schmalen Gang zwischen den Hütten aus Wellblech, Plastikplanen, Stoffresten und Bambus. Sie waren so klein und dicht aneinandergebaut, dass es in dem Gang dunkel war.
Teilweise mussten wir uns seitlich drehen, um uns zwischen den Hütten durchzuquetschen. Dann hielt Umme Begum an einer kleinen Freifläche an. „Hier lebt Kulsum“, sie zeigte auf den Boden. Da lagen neun bis zehn lose Holzbretter. Ein mit Papier zugedeckter Eimer war noch zu sehen und zwischen Schutt und Abfallresten lag noch eine kleine Tonschüssel. „Die großen Säcke und die Wäsche, die hier trocknet, gehören den Nachbarn“, erklärte Umme Begum. Hütte neben mir. Sie lebt allein. Ihr Mann hat sie verlassen. Als Haushaltshilfe verdiente sie etwas Geld. Dann, vor einem halben Jahr, ist sie bei der Arbeit gestürzt und hat sich die Beine gebrochen. Sie kann seitdem nicht mehr richtig gehen. Deshalb will sie auch niemand mehr beschäftigen. So hat sie die Miete nicht mehr bezahlen können und ist vom Eigentümer rausgeschmissen worden. Jetzt gerade ist Kulsum in der Innenstadt und versucht, durch Betteln an etwas Geld zu kommen. Wir Nachbarn versuchen, sie so gut wie es geht mit etwas Essen zu unterstützen. Ich habe ihr eine Plastikplane beschafft, damit sie bei Regen nicht nass wird und nachts wenigstens ein bisschen geschützt ist.“
Wir können es uns hier in Deutschland kaum vorstellen, wie es ist, in solcher Armut zu leben. Ob in Armut oder extremer Armut, viele Millionen Menschen sind in Bangladesch betroffen. Es ist ermutigend und schön zu sehen, dass vor Ort Menschen wie Umme Begum, die selbst nur wenig haben, helfen und ihr Bestes geben. Doch ihre Möglichkeiten sind schnell erschöpft. Viele brauchen unsere Hilfe, um der Armut zu entfliehen. Jede Unterstützung, ob Spende oder freiwilliger Einsatz ist uns dabei herzlich willkommen!