Hilfe kommt an!

Ein Reisebericht von Holger Trechow

Fast zwei Wochen sind wir jetzt schon auf Projektreise in Bangladesch. Es geht quer durchs ganze Land. Nach Stationen in Sonargaon, Dhaka, Lalmonirhat und Birganj fahren wir nun in den Südosten von Bangladesch. Es ist früh am Morgen, als wir nach Bandarban aufbrechen, wo TARANGO ein Projekt zu „Armutsbekämpfung durch biologischen Anbau“ durchführt. Es hat im November begonnen, steht also noch relativ am Anfang. Bandarban ist eine fruchtbare Gegend in den „Hilly Tracts“, also der Hügellandschaft im Südosten von Bangladesch. Es ist hier landschaftlich sehr schön, aber die Region hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten stark gewandelt. Vor allem sind viele Bengalen hierher angesiedelt worden, und die Minderheitenvölker bilden inzwischen zusammen unter 50 % der Gesamtbevölkerung. Sie haben keine Landtitel, haben die Böden im Wechsel bewirtschaftet, aber aufgrund des Bevölkerungsdrucks ist dies heute nicht mehr möglich. Zudem wurden viele fruchtbare Landflächen von der Regierung an bengalische Siedler gegeben. Die einheimische Bevölkerung hat in vieler Hinsicht das Nachsehen. Unser Projekt soll ihnen helfen, durch effiziente biologische Anbaumethoden und Tierhaltung ihre Lebenssituation deutlich zu verbessern. Dazu wird auch auf regional bestehendes traditionelles Wissen zurückgegriffen.

Wir besuchen zwei Dörfer des Projektes. Das erste liegt sozusagen am Ende der Straße. So wirkt es zuerst, der Wagen bleibt einfach mitten auf der Straße stehen. Auch hier werden wir mit Blumen empfangen. Es sind kleine, hübsche selbstgebundene Kränze aus Wiesenblumen.

Die Frauen aus dem Dorf und einige vereinzelte Kinder empfangen uns, wir begrüßen uns freundlich, aber es gibt noch nicht allzu viel Austausch. Das liegt daran, dass die Frauen das Projekt noch nicht sehr gut kennen und deshalb weder viele Auskünfte geben können noch selbst viele Fragen haben. Das wird nächstes Jahr sicherlich anders sein.

Beeindruckend ist, wie akkurat hier alles angelegt ist. Die Pflanzungen sind sehr ordentlich gemacht. Wir sehen auf ein Feld mit Zitronenbüschen. Das besondere an ihnen ist, dass sie sehr robust sind, so dass sie auch zwei Tage Hochwasser aushalten können. Tatsächlich erzählt mir Herr Maung, ein Mitarbeiter von TARANGO, dass etwa alle zehn Jahre der Fluss stark über sein Ufer schwillt. Wir stehen neben einem Unterstand, der etwa zwei Meter hoch ist. Herr Maung zeigt an das Dach: bis hier steht dann das Wasser, also mehr als mannshoch. Kaum vorstellbar, wenn man sich hier bei Sonnenschein umschaut. Aber tatsächlich liegt das Dorf etwas höher, und die Häuser sind auch auf hohe Grundmauern gebaut, so dass das Hochwasser die Innenräume nicht erreicht. Und durch das Hochwasser und die Flusssedimente wird der Boden sogar fruchtbarer. Hier kann man sich also selbst mit einem extremen Hochwasser arrangieren.

Unter anderem wird hier den Farmern der Anbau von Auberginen, Peperoni, Waldbohnen und Stangenbohnen, Tomaten und vielen weiteren Gemüsesorten gezeigt. Die Bananen in dieser Region sind besonders. Sie sind kurz, dick, angenehm süß und enthalten viele große Samenkörner. Die sind nicht schmackhaft, können aber geschluckt werden. Sie werden als Medizinersatz eingesetzt, denn sie helfen sehr gut gegen Durchfall.

Auch bei der Viehhaltung werden die lokalen Farmer beraten. Manche halten Kühe, die nicht genug Futter kriegen und recht mager sind. Sie geben nicht einmal Milch. Aber die Farmer wissen nicht, dass sich die Investition in zusätzliches Futter lohnt, weil der Erlös aus dem Verkauf der Milch das Geld gut wieder einbringen kann. Indem den Farmern solche Kalkulationen oder auch spezielle Anbaumethoden beigebracht werden, können sie mit ihren Agrarprodukten deutlich mehr verdienen. Dazu gehört zum Beispiel der Einsatz von natürlichen Insektenfallen, aber auch die Nutzung von Mulch und Abdeckfolien beim Tomatenanbau, um bis in die Trockenperiode hinein den Boden feucht zu halten. So können deutlich länger Tomaten geerntet werden. Das Projekt hat mit dem biologischen Anbau einen sehr modernen Ansatz zur Armutsbekämpfung. Wir sind froh zu sehen, dass wir mit unseren Projekten auch in entlegenen Ortschaften so viel bewirken können. Allen, die diese Hilfe möglich gemacht haben, sei herzlich gedankt!

Holger Trechow (Februar 2020)